Irre Nächte – Wenn der Zweijährige nicht schlafen kann

Nächte mit einem Zweijährigen sind – wie sag ich es am besten – manchmal ein bisschen kräftezehrend. Und ich hoffe so sehr, dass ihr Eltern von größeren Kindern jetzt sagt: „Ja, das sind die ZWEIjährigen. Bei Drei-, Vier-, Fünf-, Sechsjährigen usw. sieht das GANZ ANDERS aus.“ BITTE SAGT DAS!

Also die Nächte. Die Nächte mit einem Zweijährigen sind abwechslungsreich. Gerade heute Nacht war so eine. Und ich bin mir sicher, sie ist mir in dunklen Augenringen ins Gesicht geschrieben. Da schliefen wir also in unserem Bett. Noch nicht lange. Wir sind notorische zu Spät-ins-Bett-geher. Schließlich will man einen kleinen Teil vom Tag auch noch ohne Kinder verbringen. Einfach nur auf dem Sofa liegen, ohne dass man aufpassen muss, dass ein Kind irgendwas verschluckt, den Herd anschaltet, den Kater quält, dass das eine Kind über das andere stolpert, das Kaka so lange geleugnet wird bis es links und rechts aus der Windel quillt, ohne das kleine Kind retten zu müssen, weil es beim rückwärts rutschen wieder an einem Tischbein hängen geblieben ist und nun schreit wie ein Fuchs in der Falle. Puh! Also abends einfach nur ein bisschen liegen und nix tun. Wobei abends auch oft genug noch zu tun ist. Schließlich sind wir nebenbei noch berufstätig. So geht man also einfach immer zu spät ins Bett. Viel zu spät. Aber genug von den Tagen, heute soll es ja um die Nächte gehen. Genauer gesagt um heute Nacht, die beispielhaft ist für viele andere Nächte.

Wir liegen also im Bett und haben die Tiefschlafphase erst gerade begonnen.

Batsch batsch batsch batsch hören meine niemals schlafenden Mutterohren kleine nackte Füße über den Flur flitzen. Der Zweijährige ist da! Gekonnt klettert er in unser Bett, steigt über den Papa drüber und rutscht munter zwischen uns.

„Schön, dass du da bist“, flüstere ich und nehme ihn fest in den Arm.

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Noch kann ich nicht ahnen, dass es eine von DIESEN Nächten wird. Der kleine Mann kuschelt sich an mich. Doch nach ein zwei tiefen Atemzügen wird er unruhig. Beginnt sich zu wälzen. Schmeißt sich hin und her. Tritt links kräftig den Papa und rechts mich mit seinen Füßen. Dreht sich dann um und legt sich verkehrt rum ins Bett. Mit seinem Kopf am Fußende schläft er ein.

Tja, schön wär´s. Leider kann ich so nicht schlafen. Zu groß ist die Sorge, dass einer von uns ihn in der Position tritt oder er unter der Bettdecke erstickt, weil wir unaufmerksam im Schlaf sind oder dass er ohne Bettdecke friert und krank wird in der Kälte der Nacht. Und es ist sehr kalt bei uns im Schlafzimmer. Ein typisch schwäbisches Schlafzimmer. Also klopfe ich Christian mehr oder weniger sanft auf die Schulter.

„Duhuuu, Christian, du! Ey, Chriiiistian! CHRISTIAN! Der Sohn liegt falschrum, kannst du ihn kurz umdrehen?“

Er grummelt (und fragt sich, warum ich das nicht selber mache, aber vielleicht berichtet er selbst nochmal über meine so wunderbare Angewohnheit ihn wegen sowas zu wecken <3), aber beugt sich runter zum Zweijährigen „Komm, kleiner Mann“, sanft nimmt er ihn hoch und legt seinen Kopf hoch zu mir aufs Kissen. Der Zweijährige lässt es geschehen. Doch als wir ihn zudecken wollen:

„Nein, keine Decke!“
„Doch, Schatz, es ist kalt. Komm, deck dich zu.“
„NEIN!!“ 

Wütend strampelt er die Decke weg und beginnt in den höchsten Tönen zu weinen. Weil neben uns im Beistellbett noch die kleine Tochter schläft, versuchen wir sofort den Zweijährigen in den Arm zu nehmen und zu beruhigen.

„Pssssst, Schatz, was ist denn los? Es ist Nacht! Da kann man nicht so schreien. Alle schlafen. Pssssst, Schatz. Ist doch alles gut! Was ist denn los, hm?“

Doch mit jedem unserer Worte jault der Sohn nur noch lauter. Er kreischt und schreit und gilft (schwäbisch!). Und das auf einer Frequenz, in der sich dir die Fußnägel hochrollen, sich jedes Nackenhaar einzeln aufstellt, die dir die Ohren klingeln lässt und die direkt in die Nervenbahnen eindringt. Bereits beim ersten Ton möchtest du dich unter zehn Tonnen Bettdecken verkriechen, dir drei Kilo Tomaten in die Ohren stopfen und in einen Baumstamm beißen. Aber es hilft nichts. Das andere Kind schläft noch im Beistellbett und der Zweijährige sitzt aufrecht im Bett und jault und quietscht und kreischt in den höchsten und fiesesten Tönen. Christian und ich schauen uns an und wissen „Oh nein… es ist eine von DIESEN Nächten.“

Um des Friedens Willen und weil man nachts nach so wenig Schlaf einfach nicht klar denken kann, versuchen wir den Zweijährigen nochmal durch gutes Zureden zu beruhigen.

„Schaaaaatz, ist doch alles gut. Musst doch nicht weinen! Was ist denn los? Hör auf zu weinen, Schatz. Ist doch alles gut. Komm, wir schlafen! Alles ist gut. Alles. Schlaf, mein Schatz.“

Aber mit jedem Wort wird das Weinen noch ekstatischer. Und es ist nicht mal ein Weinen. Es ist nur ein fieser Ton. Und den drückt er mit Vehemenz raus. Und wenn er so richtig drückt, dann schwingen noch 5 andere fiese Töne mit und jeder einzelne windet sich in deine Nervenbahn und deine Ohren schmerzen. Noch schläft die Kleine. Bitte lass sie weiter schlafen! Ich will nicht zwei schreiende Kinder!!

Wir reden ihm leise gut zu. Er brüllt. Hört uns vor lauter Brüllen gar nicht. Anfassen lässt er sich auch nicht. Irgendwann platzen die Nerven und wir brüllen zurück („Hör doch wenigstens mal KURZ auf!!“) ! Brüllen dann uns an, dass es auch nichts hilft das brüllende Kind anzubrüllen. Ach, es ist zum verrückt werden.

Das kleine Kind schläft immer noch. Es ist ein Wunder.

Also wieder leise Töne. Christian fragt den Zweijährigen „Weißt du eigentlich noch, warum du weinst?“ Der Sohn hält kurz inne. Überlegt. (Es klappt! So clever, Christian!! Ich liebe dich!!) Doch dann…

„NEIN, WEISS NICH´!“ brüllt der Sohn und schrillt noch höher. Ja, schrillen ist glaube ich das richtige Verb. Er schrillt. Und er schrillt furchtbar.

Ok, beruhigen klappt nicht, zurückbrüllen hilft auch nichts und macht nur schlechtes Gewissen. „Christian, wir ignorieren es einfach!“ meine super Idee. Also ignorieren wir es.

Der Sohn brüllt unterdessen munter weiter. Aber die Abstände zwischen den Schrillern werden länger… JUHUUUU!!! Doch dann….

„Wääääääääh“

Die Kleine ist wach. Neeeeeeeiiiiiiiiiiin!!! Nein!! Nein nein nein! Bitte nicht!! 

„Wäääääääääh! Wäääääääääh! WÄÄÄÄÄÄÄH!“

Oooooh naaaaahahahahahahain!!! Bitte nicht… Aber nun ist sie auch wach und ziemlich schlecht gelaunt. Der Sohn gibt auch nochmal Vollgas und so wäääähen und schrillen sie gemeinsam. Die Tochter steht dem Sohn da in nichts nach. Christian und ich… ja, was machen wir. Hilflos liegen wir im Bett. Und nein, wir stehen nachts grundsätzlich nicht auf. Außer jemand kackt oder kotzt oder ist vollgepieselt. Wir stehen nicht auf vor 5.30 Uhr. Niemals. Und auch um 5.30 Uhr geben wir nochmal alles um zu verlängern bis eine 6 vorne auf dem Wecker steht.

„Still sie“, sagt Christian „dann schläft sie wieder!“

Oh Mann, ich seh das Abstillen in weite Ferne rücken, aber ich will auch endlich wieder schlafen. Also stille ich sie. Ich stille und tatsächlich kehrt Stille ein. Der Sohn ist ruhig, liegt jetzt entspannt und sogar richtig rum im Bett. Ist´s vorbei? Ich traue mich noch nicht richtig meinen Körper wieder zu entspannen. Christian hör ich schon wieder tief atmen. Der schläft schon wieder. Wie kann man so schnell einschlafen?

Die Tochter schläft an der Brust ein. Wendet sich ab. Hustet. Hustet nochmal. Oh nein! Ich hör es gluckern in ihrem Bauch. Sie hustet wieder. Und….. kotzt das ganze Bett voll.

Und wie sagte ich? „Wir stehen nachts grundsätzlich nicht auf. Außer jemand kackt oder kotzt oder ist vollgepieselt.“

Also nun doch. „CHRIIIIISTIIIIAAAAN!!“ brülle ich und während der aufspringt – nach viel zu langer Orientierungsphase (wie kann man so schnell wieder in den Tiefschlaf fallen???) – und ein Handtuch holt, nehme ich die Kleine hoch und stelle erleichtert fest, dass sie selbst wenigstens kotzfrei geblieben ist. Also müssen wir wenigstens sie nicht umziehen. Nur ich und das Bett sind voller Milchkotze. Also Kind ins Trockene legen, das Bett trocken rubbeln und mich umziehen. Der Sohn will jetzt neben seine Schwester liegen. Da ist aber vollgekotzt. Also brüllt er wieder. Die Tochter brüllt auch. Ich brülle auch. Weil mir jetzt alles zu viel ist. Ich will auch mal schlafen.

So. Jetzt ist wieder alles trocken. Alle wieder im Bett. Der Sohn hat sich beruhigt. Die Kleine noch nicht. Ich schlage die Hände vors Gesicht.

„Still sie nochmal!!“
„WAS?! Sie hat eben gekotzt!!“
„Aber dann schläft sie…“

Das Argument zieht bei mir. Also nochmal. Nur ein kleiner Schluck und dann den Schnulli rein. Es funktioniert. Alle ruhig. Alle um mich rum beginnen tieeef und ruhig zu atmen. Oh wie herrlich! Schlagartig entspannt sich mein Körper. Endlich! Ich bin total bereit wieder zu schlafen. Da….

Tapp tapp tapp tapp – oh nein!!

„MAAAAUUUUU“

Der Kater!!!

„MAAAAAUUUUUU MAAAAUUU MAAUUUUUU“

„Christian!! Der Kater!!“

Schlaftrunken stolpert er ins Wohnzimmer um den Kater in den Garten zu lassen ehe der uns auch noch in die Wohnung kackt. Wieder zurück ins Bett. Jetzt aber. Alles ruhig. Alles gut. Endlich schlafen. Noch ein bisschen bevor…

„Mama, is son hell!!“

„NEIN!!!!!“

2 Kommentare

  1. Was für eine herrliche Geschichte! Wenn die Kinder mal aus dem Haus sind, kann man herzlich drüber lachen! Ich weiß, ich soll keine Tipps geben. Aber ich kann nur sagen: Genieß den Zweijährigen! Es ist viiiiiiiel schlimmer, in der Nacht auf einen 17-, 18- oder 19jährigen zu warten, der bei minus 15 grad im T-Shirt mal kurz was trinken ging und dessen Handyakku natürlich leer ist … Da wünscht du dir dein Baby ins Familienbett zurück und würdest dich über die Babykotze freuen, die du abwischen darfst … Genießt den Augenblick!

  2. Pingback: Mittagsschlaf - das Dilemma des Zweijährigen

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