In-Friseurin Mama

Überraschung! Kinder haben Haare.
Am Anfang kann man es kaum erwarten, dass sich die entzückenden Glatzköpfe in süße Wuschelköpfe verwandeln. Doch irgendwann kommt er, der Moment:

„Wir sollten unserem Kind mal die Haare schneiden…“

Bei unserem Sohn kam dieser Moment erst nach seinem ersten Geburtstag. Davor war die Haarpracht eher – äh, nennen wir es: übersichtlich. Doch irgendwann beschlossen wir, dass der 80er Jahre „Spoiler“ hinter seinen Ohren weg muss. Ganz süße, zarte Härchen, die genau hinter seinen Ohren besonders lang wuchsen. Nicht im Nacken. Nur hinter den Ohren. Zwei Spoiler, die wehten, wenn er durch die Gegend flitzte. Eine Art Baby-Vokuhila.

Doch zwischen dem Vorsatz „Wir schneiden ihm die Haare“ und dem wirklichen Ereignis verging so viel Zeit, dass der Sohn den Spoiler auf natürlichem Weg verlor. Sie fielen einfach aus! Seine süßen Babyhaare. Dennoch war der Entschluss gefasst. Der Kerl kriegt eine Frisur. Und zwar von mir. Ha! Haare schneiden war schon immer meine Leidenschaft.

Früher durfte ich meinem Bruder die Haare schneiden. Ist es nicht so gut gelungen, nannte ich es „Berlin-Frisur“. Stylisch. Ich war ein selbsternannter In-Friseur. Mein Bruder war zufrieden. Nur einmal war er nicht so glücklich. Das war als ich mitten im Schneideprozess leider abbrechen musste, weil ich noch einen anderen Termin hatte (nicht zum Haareschneiden, dazu wurde ich exklusiv von meinem Bruder gebucht…) und weg musste noch bevor die Frisur vollendet war.

„Ich mach morgen fertig.“
„Ich will heute abend noch in ´nen Club!“
„Zieh ne Mütze auf!“
„Lena!“
„Ich muss weg!“
„LENA!!!“

Nun ja. Happens. (Fun-Fact: Heute lebt mein Bruder in Berlin und hat Frisuren, die meinen Haarkunstwerken um nichts nachstehen!)

Nun also mein Sohn. Weg mit den süßen Fusseln im Nacken. Das Kind vorne bespielen und hinten schnippschnapp Haare ab. Nachdem wir die Spoilerhaare unglücklicherweise verpasst haben, haben wir diesmal jedes Haar, das bei diesem Spektakel abgeschnitten wurde, feinsäuberlich aufgelesen und in einem Umschlag verwahrt. Die kriegt er zum 18. Geburtstag zusammen mit seinem Bauchnabel und dem positiven Schwangerschaftstest – ha!

Yes, we did it. (Nein, wir können es nicht und ja, er hat gezappelt! ☺️ aber der Spaß war’s wert!)

Ein von Lena W_ (@w_lena) gepostetes Foto am

Das Haareschneiden mit der Schere ging nach der erfolgreichen Premiere genau noch einmal gut. Nämlich zur „Einkindergartnung“ oder wie heißt das Pendant zur Einschulung im Kindergarten? Zu diesem Anlass zückte ich jedenfalls auch nochmal die Schere. Und dann im Kindi… sah ich Robin. Und man sah gleich: mein Sohn und Robin sind Frisuren-Brüder. Bei beiden war augenscheinlich die Mama am Werk. Und da hab ich beschlossen: Mein Kleiner darf auch mal zum Friseur, also zu einem richtigen Friseur. Auch wenn ich selbstverständlich überaus talentiert an der Schere bin und sicher dreimal so gut schneide oder soll ich sagen „dreimal so gut mit der Schere zaubere“ wie Robins Mama. Nun ja.

Aber wie das so ist mit guten Vorsätzen: Nö. Ich will doch nochmal.

Aber der Sohn. Der will nicht mehr. Sobald ich mich ihm mit der Schere nähere, beginnt er wild zu kreischen und zu fuchteln. Nichts zu machen. Meine Kunst kommt nicht mehr zum Einsatz. Einen einzigen Schnitt kann ich noch machen. Einen. Unser Sohn läuft also circa 6 Wochen mit einem „halbgekürzten“ Nacken durch die Gegend. Eine Seite lang, die andere Seite kurz -> Berlin-Frisur.

Zweimal haben wir ihm im Anschluss noch selbst eine Frisur verpasst. Inzwischen schon wieder wärmer setzen wir kurzerhand den Rasierer an und verpassen dem Sohn eine fesche „Läusefrisur“.

(„Ach je, hat Ihr Sohn Läuse?“ – „Nope. Hat er nicht.“)

Gut, dass er „a schees Köpfle“ hat. Er kann es tragen. Die Omas finden trotzdem „s´isch scho´ arg kurz“ und nach ein paar Wochen „Des macheter nemmer so arg kurz, oder?“ Hm. Doch. Wie gesagt ZWEImal.

Zweimal folgender Ablauf: Das Kind bis auf die Windel ausziehen, in die Badewanne setzen, ihm das iPhone zur Ablenkung in die Hand drücken und möglichst schnell mit dem Rasierer die Haare auf 12mm (und es klingt immer länger als es tatsächlich ist!) kürzen. Puh!

Und nach ein paar Wochen wieder:

„Unser Sohn sieht schon wieder aus wie Otto Schily.“

Aber diesmal darf er zum Friseur.

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