Gute Vorsätze

Wir sind früh wach. Die Sonne scheint. Es ist nicht mehr ganz so kalt. Der Sohn spielt in seinem Zimmer. Wir haben noch viel Zeit ehe wir in den Kindi aufbrechen werden. Ich räume die Küche auf, bringe den Müll runter, rufe den Sohn zum Frühstück. Auch Christian und unsere Tochter sind inzwischen wach und ich rühre ihren Milchbrei an. Der Sohn mampft drei „Mamamate“brote. Nur die kleinen Brote vom Anfang oder vom Ende des Laibs will er: „Babybrote“. Erst wenn die weg sind, akzeptiert er auch die größeren Scheiben. Weil wir so früh dran sind und das Wetter so wunderbar ist, wollen der Sohn und ich heute mit dem Laufrad in den Kindi düsen. Also er düst. Ich habe mehr die Funktion des Bremsens („Warte!“), des Ermahnens („Schau dahin, wo du hinfährst! Nein, nicht dahin! Nach vorne!“) und Antreibens („Auf geht´s!“).

Also der Morgen beginnt gemütlich. Doch plötzlich „Es ist ja schon Viertel vor neun!! Wir müssen los!“ Schnell Zähneputzen (<- haha, schnell Zähneputzen… Aber dazu schreibe ich nochmal gesondert…), Schuhe anziehen, Jacke anziehen, Mütze auf, Helm auf, Helm wieder ab, Helmgurte weiter machen, weil der Sohn würgt (wie immer!), Laufrad schnappen, raus auf die Straße und looooooos!

Wir kommen heute zwar viel zu spät, aber übel cool in den Kindi. Wie immer.

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Los?

„Komm! Schnell! Wir sind schon ganz arg spät.“
„Jetzt komm!“
„Auf geht´s!“
„Kooooomm, Schatz. Gleich beginnt der Morgenkreis! Da willst du doch mitsingen.“ „Guuuuuten Morgen, ein neuer Tag beginnt, drum freuen wir uns aaaalle, dass wir beisammen sind. Komm, sie singen sicher schon!“
„Bisschen schneeeeller!“  

Doch der Sohn hat andere Pläne. Und seine Aufmerksamkeit haben – wie immer auf dem Weg – andere Dinge. Nicht die Mama. Die sagt eh immer das gleiche. Dabei….

„Müllabfuhr! Mama! Da is die Müllabfuhr!“

„Mama, warte! Will Müllabfuhr gucken!“ Ein von Lena W_ (@w_lena) gepostetes Foto am


„Gummal, Mama. Garteswerg! Oh, ein Swerg is kaputt.“

Gartenzwerge gucken. Nicht wegzukriegen.

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„Mama, da is ein Snecke! Da! Guck!“

„Guck mal, Mama, ein Snecke! Hallo Snecke!“ (Ob wir die letzten 500m heute noch nach Hause schaffen?…) Ein von Lena W_ (@w_lena) gepostetes Foto am


„Ooooh, ein große Stock!“

Stöcke. Je größer desto besser.

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„Alle Blätter müsse weg!“

Ein Stock und Laub = Guter Heimweg. Ein von Lena W_ (@w_lena) gepostetes Video am


Und mir fällt wirklich nichts besseres ein als ihn ständig anzutreiben? Warum habe ich es denn so eilig? Was ist denn wichtiger als all diese Erfahrungen auf dem Kindiweg.

Die Antwort ist: Nichts.

Und deshalb habe ich mir heute vorgenommen das unnötige Antreiben sein zu lassen. Ich habe einen flexiblen Job, der mir nicht davon läuft, auch wenn ich ein paar Minuten länger brauche. Meine Tochter ist beim Papa gut versorgt und oft sogar in der manduca auf dem Weg dabei. Im Kindi schimpft niemand, wenn wir mal wieder deutlich nach neun eintrudeln. Warum hetze ich? Neuer Vorsatz: Den Kindiweg genießen. Und dem Sohn die Zeit geben alles zu gucken.

Gucken ist wichtig.
Gucken ist schön.
Mein Sohn ist wichtig.
Sein Interesse ist schön.

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